Hintergründe

Abschiebung von Schüler_innen
 
Kinder und Jugendlichen können abgeschoben werden, wenn ihr Asylantrag bzw. der ihrer Eltern abgelehnt wurde, ihr Aufenthaltstitel abgelaufen ist oder widerrufen wird oder wenn sie mit dem Status der Duldung in Deutschland leben.

Nach der Flucht aus ihren Herkunftsländern und Aufgabe der ihnen vertrauten Umgebung, versuchen Kinder und Jugendliche sich in die neue Umgebung und Sprache einzufügen, einen Platz in der Gesellschaft zu finden und in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft das Erlebte zu verarbeiten. Nach Prüfung des Asylantrags werden sie dann ggf. darüber informiert, dass sie nicht in Deutschland bleiben können, sondern ausreisen müssen oder abgeschoben werden.

Über die Bedingungen, die die Jugendlichen in den jeweiligen Ländern erwarten, sagt ein negativer Asylbescheid nicht zwingend etwas aus, wie beispielsweise Abschiebungen nach Afghanistan zeigen. Auch die persönliche Verfassung der Menschen wird viel zu wenig berücksichtigt. So haben viele Jugendliche mit Fluchtgeschichte häufig Kriegshandlungen oder Gewalt und den Tod von Angehörigen miterlebt. Abschiebungen können solche traumatischen Erlebnisse aufgrund der dabei entstehenden Ohnmachtsgefühle reaktivieren.

Wenn kein Asyl gewährt wird, aber eine Abschiebung aus gesundheitlichen, rechtlichen oder technischen Gründen derzeit nicht möglich ist, wird eine Duldung erteilt. Sie ist kein Aufenthaltstitel, sondern lediglich eine Aussetzung der Abschiebung. Sie ist meistens drei bis sechs Monate gültig und muss dann verlängert werden. Ob sie das wird, ist ungewiss. Sie kann jederzeit widerrufen werden. In dieser unsicheren Situation leben Geduldete oft viele Jahre. Da sie jederzeit damit rechnen müssen, abgeschoben zu werden, können sie ihr Leben kaum im Voraus planen.


In Deutschland geboren – kein Recht zu bleiben

Nicht jede_r von Abschiebung bedrohte Schüler_in ist im Ausland geboren. Zu den Menschen, die seit Jahren oder Jahrzehnten mit Duldungen leben, gehören mehrere Tausend Roma, die im Zuge der Jugoslawienkriege nach Deutschland flohen. Ihre Kinder sind hier geboren und haben dennoch kein Bleiberecht. Sie werden in Länder abgeschoben, die sie nicht kennen, deren Sprache sie nicht oder kaum sprechen und an deren Schulsystem sie aufgrund von formalen Hürden und Diskriminierung häufig nicht teilnehmen können. Durch die allgegenwärtige Diskriminierung gegen Roma in diesen Ländern, sind sie auch über die Schule hinaus an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Eine Abschiebung bedeutet, insbesondere wenn sie vor dem Schulabschluss erfolgt, sie in ein Leben ohne Perspektive, ohne Zukunft zu schicken.

Schule – kein Schutzraum

Schule ist ein Ort des Lernens, ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche einen großen Teil ihrer Zeit verbringen, Freundschaften schließen und im besten Fall vertrauensvolle Verhältnisse zu Lehrkräften und Sozialarbeiter_innen aufbauen. Ein Ort, an dem sie trotz Fluchterfahrung und der damit verbundenen Erlebnisse Vertrauen in die Gesellschaft aufbauen sollen, ein Ort der Integration, ein Schutzraum. Durch die Möglichkeit, Abschiebungen aus dem vermeintlichen Schutzraum Schule durchzuführen, werden all diese Ansprüche und Bemühungen konterkariert. Schule wird für Jugendliche ohne sicheren Aufenthaltsstatus zum angstbesetzten Raum. Ihre Unbeschwertheit, aber auch ihr Konzentrations- und Lernvermögen werden direkt beeinträchtigt und somit auch ihre Chancen auf einen guten Abschluss und eine selbstbestimmte Zukunft. Nicht nur für die selbst betroffenen Jugendlichen kann eine Abschiebung traumatisch sein. Auch für Lehrkräfte und Mitschüler_innen ist es belastend, wenn ein_e Schüler_in nicht mehr auftaucht oder gar direkt aus der Schule abgeholt wird.

Forderungen

• Alle Schüler_innen müssen bis zum Ende ihres Schulabschlusses und ihrer Ausbildung vor Abschiebung sicher sein. Denn alle Kinder haben ein Recht auf Bildung. Mit Schulabschluss verbessern sich ihre Chancen auf eine selbstbestimmte Zukunft erheblich – egal in welchem Land.
• Schule muss ein Schutz- und Lernraum für alle Kinder und Jugendlichen sein. Der Schutz vor Abschiebung ist dafür eine Grundvoraussetzung.
Um diese Forderungen umzusetzen, sind folgende Schritte notwendig:
Ächtung von Abschiebungen aus Schulen
Es muss eine breite Aufklärung über die Notwendigkeit von Schule als Lern- und Schutzraum und über die negativen Auswirkungen von Abschiebungen aus Schulen erfolgen. Hierzu können Schüler_innen und Lehrkräfte im Rahmen von öffentlichkeitswirksamen Aktionen gleichermaßen beitragen. Abschiebungen aus Schulen müssen gesellschaftlich geächtet werden, um dadurch Druck auf Politik und zuständige Behörden auszuüben.
Verhinderung von Abschiebungen
Schulen sind in der Regel nicht auf Abschiebungen vorbereitet und daher im Falle einer anstehenden Abschiebung handlungsunfähig. Wir stärken das Engagement von Schüler_innen und Lehrkräften durch Networking, Bildungs-Angebote und Informationsmaterialien. Sie sollen wissen, was sie tun können, um eine Abschiebung zu verhindern. Abschiebungsversuche an Schulen sollen erfolglos bleiben und Behörden sie nicht mehr als Zugriffsort erwägen.

Angebote für Schulen

Wir unterstützen Schulen, Lehrkräfte und Schüler_innen bei ihrem Engagement gegen die Abschiebung von Schüler_innen mit unserer Erfahrung, mit Informationen und Vernetzung. Dazu zählen folgende Möglichkeiten:
• Wir bieten Workshops für Schüler_innen an und coachen Schulpersonal und Schüler_innen.
• Unsere Broschüre stellt Schulen, Schüler_innen und Lehrkräften Informationen zu Hintergründen und Handlungsmöglichkeiten bei drohenden Abschiebungen von Schüler_innen zur Verfügung. So können Schulen selbstständig aktiv werden.
• Soweit möglich stellen wir Kontakte zwischen lokalen Initiativen und den Schulen her, um die Beratungswege kurz zu halten und das vorhandene Engagement zu bündeln.
• Teilnehmende Schulen und Schüler_innen können Flyer, Sticker und Banner der Kampagne bei uns anfordern, unser Logo in E-Mails und auf Homepages verwenden und die Kampagneninhalte verbreiten, um das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen. Schülerzeitungen können eigene Artikel zum Thema bringen.
• Jährlich finden an prägnanten Tagen, wie dem Weltflüchtlingstag (20. Juni) oder dem Tag der Kinderrechte (20. November) Aktionen zum Thema Abschiebung von Schüler_innen statt. Schulen und Schüler_innen können sich kreative Aktionen ausdenken, Infostände organisieren, Postkarten- oder Unterschriftenaktionen starten. Wir informieren die Beteiligten über die stattfindenden Aktionen und bekräftigen in gemeinsamen Pressemitteilungen die Forderungen der Kampagne.
• Die Kampagne möchte politische Entscheidungsträger_innen einbinden um politische Veränderungen anstoßen. Dies kann auf lokaler Ebene durch die beteiligten Schulen und Kooperationspartner mit unserer Unterstützung erfolgen. Mögliche Formen sind offene Briefe, Postkartenaktionen, Petitionen, Bürger- bzw. Einwohneranliegen.